Am Ufer

Ich wage mich einen Schritt näher und berühre mit den Zehenspitzen die Oberfläche des Wassers. Um in den See zu springen und zu schwimmen ist das Wasser noch zu kalt. Aber die Möglichkeit besteht und dadurch fühle ich mich frei. Ich weiß, der Sommer wird kommen und die Tage werden noch wärmer, aber bis dahin reicht es mir mit den Füßen im See zu stehen und die Stille zu genießen. Ich spüre einen kühlen Windschlag auf meiner Haut. Meine Haare wehen im Wind und ich fühle mich frei, frei von den alltäglichen Sorgen und dem Stress.

Ich nehme mir eine Auszeit von der großen Stadt und genieße die Einsamkeit. Ich höre die Vögel zwitschern. Kein Autolärm und keine Großstadtgeräusche. Es gibt nur den Wald und mich. Manchmal fährt ein kleines Segelboot vorbei. Ich sehe sie nur vom weiten, wie sie sachte und langsam über das Wasser gleiten. Mein Blick wandert weiter über die spiegelnde Oberfläche. Eine Ente hat sich ans Ufer verirrt. Sie bleibt dort für ein paar Sekunden um dann gleich wieder ins Kalte zu springen und im Schilf zu verschwinden.

Ich verliere mich in Gedanken und genieße es an diesem einsamen Ort. Lange kann ich hier heute nicht mehr bleiben, denn die Sonne wird bald verschwinden und dann bricht die Nacht ein. Aber einen Moment verweile ich hier noch bis ich meine Sachen wieder zusammenpacke und mich auf den Heimweg mache.

Wenn der Sonnenuntergang das Ende des Tages ankündigt und die Sonne den Himmel mit roten und orangenen Farben bemalt, dann lagen wir meist zu zweit hier auf der Decke und genossen unser abendliches Picknick. Aber nicht heute. Heute bin ich ganz alleine hier hergekommen. Die Romantik, welche durch die Natur erschaffen wird, ohne den Eingriff eines Menschen, genieße ich heute ohne dich. Doch jeder Grashalm und jeder Stein der hier liegt erinnert mich an die Stunden die wir hier gemeinsam verbracht haben. Ich nippe noch einmal an meinem Tee, den du mir vorbereitet hast bevor du gegangen bist und spüre deine Hand auf meiner Haut.

Ich habe heute die rote Wäsche von Kriss Soonik an die du immer so geliebt hast. Nicht für dich, denn du kannst sie ja leider nicht sehen. Nein, ich habe sie angezogen weil sie mich an dein Lächeln erinnert. Das Lächeln, das du immer im Gesicht trägst, wenn ich Kleidung anhabe, die du besonders an mir magst.

Und wieder spüre ich deine Hand auf meiner nackten Haut. Wie deine Finger in kreisenden Bewegungen meinen Bauch berühren. Das hast du immer gemacht bevor deine Hand versucht hat an den Verschluss zu kommen und ihn zu öffnen. Jedes mal, wenn du es geschafft hast, hab ich mich etwas geärgert. Die Aufregung, die ich dabei empfunden habe mit nacktem Oberkörper in der Natur zu liegen hat jedoch jeden Ärger vertrieben.
Heute öffne ich ihn das erste mal selbst. Ein Kaum hörbares Klicken sorgt dafür, dass das bekannte Gefühl wieder in mir hochkommt. Es fühlt sich fast so an als wärst du da.

Ich mache wieder einen Schritt nach vorne. Kurz vor dem Wasser bleibe ich stehen. Bevor ich dich kennengelernt habe, hätte ich mich nie getraut so an einem öffentlich zugänglichen Ort zu stehen. Heute bin ich dabei vollkommen entspannt. Vielleicht etwas aufgeregt, aber das ist ok. Es ist nichts zu hören bis auf die Geräusche der Natur. Doch die Ruhe ist trügerisch. Plötzlich ist es mit der Ruhe vorbei. Es war nur die Ruhe vor dem Sturm. Adrenalin durchströmt meine Adern und mein Herz fängt an zu rasen. Das Klappern von Schutzblechen, die Räder ummanteln, welche über unebenen Boden rasen kündigen Radfahrer an. Ich habe keine Minute mehr bevor sie mich sehen können und heute reichst du mir nicht deinen Pullover. Schnell schlüpfe ich in meine Jacke und stecke meinen BH in die Jackentasche. Das ist immer der Moment in dem wir gehen.


 

OUTFIT DETAILS
BH: Kriss Soonik
Shorts: Kriss Soonik

4 Kommentare

  1. Emma
    15. Mai 2017

    Hallo liebe Isabelle,

    wiedereinmal hast du nicht nur meine Seele berührt, sondern mich in eine Geschichte entfürt. Es ist wirklich der erste Blog unter dem ich kommentiere und bei deinem Blog habe ich das Gefühl unter jeden Post was schreiben zu müssen.
    In deinen Berichten kommen immer wieder gedanken an einen Mann oder von einem Mann vor. Seid Ihr ein Paar oder führt ihr den Blog nur zusammen und es handelt sich um jemand anderen in den Geschichten?
    Ich würde so gerne mehr von dir erfahren ich Liebe euren Blog einfach so sehr.
    Vielen Dank dafür.

    Liebste Grüße,
    Emma

    • 17. Mai 2017

      Liebe Emma,

      erstmal danke, dass du wieder einen so lieben Kommentar dagelassen hast! Immer wieder eine Freude, wenn ich das sehe. ❤️
      ja wir führen den Blog zusammen als Paar, mein Freund fotografiert und ich schreib dann meistens die Texte, steht ja dann auch immer da. 🙂 Die Texte handeln aber nicht unbedingt immer von der selben Person, ich schreibe auch viel aus der Vergangenheit um Dinge zu verarbeiten.

      Allerliebste Grüße an dich, Isabelle

  2. 23. Mai 2017

    Hallo Isabelle,

    ich habe eben deinen Blog entdeckt und bin jetzt schon ganz verzaubert von deinen Texten. Du schreibst wirklich klasse und deine Worte fesseln einen sehr. Auch harmoniert alles mit den schönen Bildern und man versinkt direkt in deiner Geschichte. Wirklich ganz toll!

    Alles Liebe

    • 23. Mai 2017

      Hallo Lena,

      vielen Dank für deinen Kommentar und deine lieben Worte! Ich hab mich sehr darüber gefreut. 🙂

      Liebste Grüße, Isabelle

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Danke für deinen Kommentar. Liebe Grüße Isabelle und Simeon.