Die Spinne hängt am seidenen Faden. Sie spinnt ihr Netz in der hintersten Ecke des Zimmers, sodass man sie nur selten bemerkt. Manchmal beobachte ich sie dabei wie ihre flinken Beine sich winden und spinnen und Netze neu verbinden. Gelegentlich glaube ich, dass sie ein Netz um mich spinnen will, denn von Tag zu Tag wird es größer und erreicht nun beinahe die Tür so als wollte sie mir sagen, dass ich sie nicht mehr verlassen soll, denn hier passt sie auf, hier ist sie die Herrin der Welt.

Wenn früh morgens die Sonne in das Zimmer scheint, funkelt ihr Netz golden. Zuweilen wirkt sie gelangweilt, als warte sie nur darauf, dass eine Fliege sich in ihrem Netz verfängt.
Es klingelt an der Haustür. Nun bin ich abgelenkt. Ich nehme ein Paket für die Nachbarn entgegen und beschäftige mich wieder mit anderen Dingen.

Tagelang ignoriere ich die Spinne, vergesse sie sogar. Bis mein Blick eines Morgens das glitzernde Netz sucht. Doch sie sitzt gar nicht im Türrahmen. Da saß sie noch nie. Ich betrete das Wohnzimmer und du sitzt auf der Couch. Mein Blick wandert zu der Ecke des Raums, in der die Spinne sich eingenistet hat. Sie wirkt plötzlich einsam und kahl.
"Wo ist die Spinne hin?", frage ich dich. Und du antwortest nur, dass du sie weggesaugt hast. Nüchtern betrachte ich den Raum.