Wir wollen eine kleine Reihe starten und euch drei Donnerstage lang von unseren Erfahrungen während des FSJ’s und des einjährigen Praktikums berichten. Wir wollen euch, jeder aus seiner Sicht über unsere Erfahrungen aus dem jeweiligen Jahr berichten und im 3. Teil ein Fazit ziehen, die Eindrücke ein wenig vergleichen und auf eventuelle Fragen und Gedanken eingehen.

Die Suche

Nach der Schule habe ich mich dazu entschlossen, ein einjähriges Praktikum zu absolvieren. Da es mein Wunsch war mit Kindern zu arbeiten, habe ich mich auf die Suche nach einen Kindergarten gemacht. Und da stand ich auch schon vor der ersten Hürde. Ich habe mich bei etlichen Kindertagesstätten beworben, aber kaum Antworten bekommen. Ich hatte zwei bis drei Probetage in verschiedenen Einrichtungen bis ich mich dann letztendlich für einen entschieden habe, der auf mich einen guten Eindruck machte und in dem ich es mir vorstellen konnte zu arbeiten.

Die Zeit in der Kindertagesstätte

Am Anfang lernte ich erstmal den Tagesablauf und vor allem auch die Kinder kennen. Die Einrichtung hatte drei Gruppen, eine davon war die Krippe. Ich arbeitete allerdings mit den größeren Kindern zusammen in einer Gruppe von etwa 16 Kindern.

Anfangs musste ich einfache Aufgaben erledigen, wie mit den Kindern spielen, malen, basteln, Konflikte lösen, beim Essen begleiten etc. und auch Putzarbeiten fielen immer wieder an. Ich war recht schnell mit dem Alltag vertraut und die Arbeit mit den Kindern bereitete mir sehr viel Freude.

Erste Zweifel

Allerdings kamen mir schon nach wenigen Monaten Zweifel auf. Ich musste für fast einen Monat in der Küche einspringen, weil die Köchin ausgefallen ist, und alle Angaben angefangen von Geschirr reinigen, Essen anrichten, Nachmittagssnack vorbereiten etc. übernehmen, obwohl es ja meine Absicht war einen Einblick in den sozialen Bereich zu erlangen. Für ein paar Tage wäre Küchenarbeit sicher nicht schlimm gewesen, aber es war einfach nicht mein vereinbartes Aufgabengebiet. Allerdings wurde mir versichert, dass es positive Auswirkungen in meinem Abschlussbericht haben würde.

Und so kamen immer mehr Aufgaben dazu, die mir sehr suspekt erschienen und ich fühlte mich von der Chefin der Einrichtung ausgenutzt und schlecht behandelt.

Der Ausfall

Nach ca. neun Monaten kam mir dann leider ein Unfall dazwischen und ich fiel für ca. zwei Monate aus. Als ich dann wieder kam, hatte ich ich immer noch eine Schiene um und war noch sehr eingeschränkt bewegungstechnisch. Das hatte ich telefonisch auch angesprochen.

Als ich dann den ersten Tag wieder ankam, sollte ich als erstes erstmal Aufgaben erledigen, die ich aufgrund meiner Umstände nicht vollbringen konnte, wie beispielsweise 10kg Gips einkaufen gehen und in den Kindergarten bringen.

So ging das ungefähr eine Woche lang bis ich zu einem Gespräch gebeten wurde. Da wurde mir vorgeworfen, dass meine Arbeit nicht ihren Erwartungen entspricht. Bis dato hatte mir allerdings noch nie jemand etwas in dieser Richtung gesagt. Außerdem wollten die Chefin, dass ich meinen Praktikum um sechs Monate verlängere damit es als bestanden gilt. Da kam mir natürlich die Frage auf, ob ich tatsächlich so schlecht arbeitete, da sie mich zusätzlich zu dem Jahr noch für ganze sechs Monate länger in ihrer Einrichtung behalten wollte? Oder ob es einfach nur an günstigem Personal mangelt?

Das Ende

Zum Ende der Woche kündigte ich dann dort, da ich psychisch wirklich sehr angeschlagen war und es mir mit dieser Situation nicht mehr gut ging und ich es nicht länger aushalten konnte. Dazu kam dann noch meine Bewegungseinschränkungen, auf die keine Rücksicht genommen wurde. Ich habe mich mit Familie und Freunden besprochen und die Kündigung war gut überlegt und alle standen hinter mir und konnten mich mit der Entscheidung nur unterstützen.

Ich habe für dieses Praktikum keinerlei Anerkennung oder ähnliches erhalten, mir wurde sogar ein Praktikumszeugnis und eine Bestätigung der Zeit, die ich dort verbrachte, verweigert. Noch Monate später musste ich mich mit der Kindertagesstätte auseinander setzen und mich letztendlich an „höhere Instanzen“ wenden um die Dokumente zu erhalten.

Der Neustart

Da mir für mein einjähriges Praktikum noch drei Monate gefehlt hatten, begab ich mich dann auf die Suche nach einer anderen Einrichtung, da die Umstände dort für mich nicht länger tragbar gewesen wären. Auch die Suche verlief eher schwierig. Auf unzählige Bewerbungen bekam ich erstmal keine Antworten und war ziemlich deprimiert.

Als ich schon fast die Hoffnung verloren hatte, kam ich auf die Idee auf Ebay Kleinanzeigen zu suchen und wurde tatsächlich fündig. Nur einen Tag später bekam ich einen Termin für einen Probetag und wurde auch sofort genommen.

Die Einrichtung mache auf mich einen sehr sympathischen Eindruck. Es war eine kleine Gruppe von zehn Kindern im Alter von ein bis zweieinhalb Jahren und nur zwei Erziehern.
Davor hatte ich ja eher mit etwas älteren Kindern zusammen gearbeitet. Aber ich freute mich dort neue Erfahrungen zu machen.

Dort merkte ich gleich, dass in der anderen Einrichtung etwas sehr schief gelaufen ist. Die jetzigen Aufgaben sahen nämlich ganz anders aus. Meine Hauptaufgabe war es mich mit den Kindern zu beschäftigen und einen Einblick in die sozialen Tätigkeit zu erlangen. Der Einkaufswagen wurde durch den Kinderwagen ausgetauscht! Spielen, Basteln, Füttern, Spaß machen, Händchen halten beim Schlafen, Spazieren gehen, Musizieren und vieles mehr war plötzlich an der Tagesordnung.
Natürlich fiel auch hier immer mal wieder kleine Putzarbeiten an, aber nicht in diesem Ausmaß, und es wurde Rücksicht auf meine Einschränkung genommen.

Ich bin so froh, dass ich nach all den Strapazen noch einen Praktikumsplatz gefunden habe, der mir positive Erfahrungen gebracht hat und ein freundliches und umgängliches Miteinander möglich war.

Meine Empfehlung

Wenn ihr auf der Suche nach einem längerfristigen Praktikum seid, würde ich euch auf jeden Fall empfehlen euch ein paar Einrichtungen anzusehen und nicht gleich die erstbeste zu wählen. Solltet ihr euch bei der ersten allerdings auf Anhieb sicher sein, spricht natürlich auch hier nichts dagegen, die Stelle anzunehmen.

Ich würde euch dazu raten, auf jeden Fall einen Probetag zu machen, wenn nicht sogar mehrere, da man so einen viel besseren Einblick in das Geschehen bekommt.

Wenn ihr manche Aufgaben komisch oder nicht angemessen findet, würde ich mich auf jeden Fall an eine Vertrauensperson in dem Betrieb wenden und es sachlich ansprechen, so könnt ihr die Umstände vielleicht ändern oder ihr bekommt eine plausible Erklärung, warum diese Dinge anfallen.

Ich hatte auch das Gefühl, dass in der kleineren Einrichtung mehr Zeit und Geduld da war mich in den Alltag einzuleben, da nicht so viele Kinder und auch Erzieher da waren und es dadurch weniger Konflikte gab. Als sucht euch vielleicht lieber erstmal eine kleinere Einrichtung, denn die sind meistens „familiärer“.

Und zu guter letzt: Habt Spaß an euer Arbeit und nehmt so viel Erfahrungen mit wie möglich!

Habt ihr positive oder negative Erfahrungen während eines Praktikums oder eines FSJ’s gemacht? Lasst mir doch gerne eure Erfahrungen da. Ich würde mich über einen Austausch sehr freuen!

Eure Gedanken:

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