Ich lehne mich an die kalte Säule und höre das Rasseln der Bahn. Eine gefühlte Sekunde später drehe ich mich um, aber da ist die Bahn schon weg. Fährt durch die dunklen Tunnel Berlins in eine andere Welt. Ich spüre wie mein Körper nach unten sinkt entlang der dreckigen Säule. Ich sitze auf dem steinernen Boden und lasse die Welt an mir vorbeiziehen. Sehe Menschen ein- und aussteigen. Sehe sie nur verschwommen. Sehe meine Silhouette in den wegfahrenden Bahnen. Will nicht wissen was du jetzt von mir hältst. Und im gleichem Atemzug, oh will so sehr wissen was du von mir denkst.

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Ich steige in die Bahn. Sitze zwischen all den Leuten, deren Leben ich nicht kenne. Sie interessieren mich nicht. Nichts ist in dem Moment wichtig. Ich will ihn festhalten und ihn auf Dauerschleife abspielen, wie bei einer Schallplatte, die immer wieder den selben schiefen, schrillen Ton von sich gibt.

Ich hab dir von Zeit zu Zeit Fährten gelegt, wie Fußabdrücke im Schnee, die du am nächsten Tag wieder vergessen hast, weil die Sonne den Schnee zum Schmelzen gebracht hast. Hier und da habe ich Andeutungen versteckt. Ich weiß nicht ob du sie verstanden hast, absichtlich ignoriert oder anders interpretiert hast.

Ungewollt hast auch du mir Fährten gelegt, hier und da. Manchmal lange Zeit nicht. Und dann plötzlich, wie aus dem nichts erscheint dein Duft, nur für drei Sekunden an der Straßenecke, und dann drehe ich mich um, aber da ist niemand. Manchmal schnappe ich Wörter in der Ubahn auf, die mich an unsere Gespräche erinnern. Dann versuche ich absichtlich wegzuhören, damit die Erinnerung mich nicht wieder einnimmt.

Manchmal kreuzen sich unsere Wege beinah für einige Meter, aber nur so nahe, dass ich dein Lachen im Hintergrund unbewusst wahrnehme.
Wenn wir uns sehen, würden wir beide ohne Faden, an dem man sich entlang hangeln kann ins Ungewisse rennen.
Denn wir laufen beide ohne Orientierungssinn durch die Straßen und es ist schwierig sich ohne Orientierung zu finden.

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