Winter 2015

Lieber V.,

seit einiger Zeit träume ich regelmäßig von dir. Ich träume davon, wie du mich küsst und mir liebliche Worte ins Ohr flüsterst. Doch dann spüre ich jedes Mal andere Hände, die mich fest umschlingen und ich wache ruckartig auf. Es sind nicht deine Hände, ich fühle mich erdrückt und will mich befreien, doch die Arme und Hände winden sich nach mir. Irgendwann wird mein Atem ruhiger und mir fällt wieder ein, dass du schon länger weg bist. Früh am morgen wache ich nochmal auf, den Klang deiner Stimme hab ich vergessen.

Frühling 2015

Lieber V.,

als ich heute in der Sbahn saß, drehte ich mich ruckartig um. Ich glaubte deinen Geruch wahrzunehmen. Hastig stand ich auf und wollte ihm folgen, aber er war schon verflogen. Meine Hände berührten die kalte Fensterscheibe und meine Augen suchten in der Menschenmenge nach dir. Doch die Bahn setzte ein und ich sah nur noch verschwommen. Ich blieb wie versteinert stehen und sehnte mich nach deinem Duft.

Sommer 2015

Lieber V.,

heute reichte mir jemand ein Glas Daquiri. Erst widerte mich der Alkohol an. Doch nach dem zweiten Schluck kam mir der Geschmack bekannt vor. Deine Küsse haben so immer geschmeckt, wenn wir uns betrunken getroffen haben. Also habe ich drei Gläser auf Ex getrunken, bis dass der Alkohol nur noch in meiner Kehle brannte.

Herbst 2015

Lieber V.,

als ich heute im Vorlesungssaal saß, kam ein Student zu spät. Er hastete durch die Reihen. Erst nahm ich ihn gar nicht wahr. Bis er neben mir Platz nahm. Ich drehte mich zu ihm um. Seine Haare wellten sich genau wie die deinen und auf seinen Lippen lag das gleiche ironische Lächeln.

Winter 2016

Lieber V.,

meine Gefühle werden langsam weniger. Doch ab und an flammen sie wieder auf und es fühlt sich so an, wie am ersten Tag, als wir uns getroffen haben. Immer dann, wenn ich ein Teil von dir in der Stadt erhasche oder wenn du in meinen Träumen erscheinst. Dort scheinst du für kurze Zeit real zu sein und meine Sehnsucht scheint vergessen.

Body von ASOS