Alle zerren an mir. Von allen Seiten prasseln Stimmen auf mich ein. Laut und leise. Belehrend, zornig und provokativ. Jede will etwas anderes. Jeder tritt seine Meinung breit. Es kann nur eine geben. Die lauteste gewinnt.

Du darfst alles machen, aber nicht so. Und etwas anderes würde besser zu dir passen. Folge den Regeln des Lebens. Sei mutig, aber such dir etwas bodenständiges. Sei nicht zu mutig, zeig dich nicht in Unterwäsche.

Alle zerren an mir. Ich werde durchlöchert solang bis ich ohne Kleidung am Boden liege. Schutzlos und verängstigt. Die Flecken waschen sich nicht mehr raus. Sie bleiben haften, ich versuche sie wegzuwischen, aber es bleiben immer Schlieren da. Sie verblassen nicht ganz, so wie die Narben auf meinen Knien. Ein Teil von mir. Manchmal vergesse ich sie, aber sie sind immer da.

Zurück in der Realität. Eingeengt, wie in einem Käfig. Ich möchte ausbrechen, aber ich habe keine Kraft. Die Tage sind gezählt. Jeden Tag ein Strich bis ich mich befreien kann aus den Klauen der Gefangenschaft. Bis ich euch gegenüber stehen kann und euch nichts mehr zu sagen habe.

Und dann gehe ich zu dir und flüster dir ins Ohr: „Zerreiß mich.“ Du verstehst mich nicht. Aber jetzt bin ich bereit.

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